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*** Es ist zu deinem Besten ***


 

ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Manche Filme sind auf angenehme Art und Weise altmodisch. Und dann gibt es Filme wie „Es ist zu deinem Besten“ …
 
Warum tut sie uns das an?
 
Arthur (Heiner Lauterbach) ist ein reicher Anwalt. Seine Tochter ist Anwältin in seiner Kanzlei. Aber sie liebt einen, wie Arthur ihn nennt, „Kommunisten“ und das kann Arthur natürlich nicht zulassen. Kalle (Jürgen Vorgel) arbeitet am Bau. Seine Tochter arbeitet in einem Café und wohnt noch daheim. Aber sie liebt einen deutlich älteren Mann und das kann Kalle natürlich nicht zulassen. Von Yussuf (Hilmi Sözer) erfahren wir nicht, was er beruflich macht, weil den Drehbuchautoren kein dummer Gag zu seinem Job einfallen wollte. Seine Tochter liebt einen Mitschüler, der einen schlechten Einfluss auf sie hat und das kann Yussuf natürlich nicht zulassen. Und weil Arthur, Kalle und Yussuf nicht bloß Schwäger sondern auch die Hauptfiguren in einer deutschen Filmkomödie sind, schmieden sie einen Pakt …
 
Während ich „Es ist zu deinem Besten“ gesehen habe, habe ich mir zwei Fragen gestellt. Die erste lautet, gibt es eigentlich einen Namen für dieses Sub-Genre der Komödie, in dem krankhaft protektive Väter nicht wahrhaben wollen, dass ihre Töchter erwachsen geworden sind und deshalb jede Menge Unsinn anstellen und sogar vor emotionalem Missbrauch und Straftaten nicht zurückschrecken? Vermutlich nicht. Ich schlage „Psycho-Dad-Com“ (kurz für „psychotischer-Vater-Komödie“) vor.
 
 
Die zweite Frage lautet: Wer will so etwas sehen? Gibt es wirklich Leute, die Filme wie „Hände weg von meiner Tochter“ (Tony Danza geht auf Zwölfjährige los, weil sie seine Tochter am Strand in einem Badeanzug gesehen haben, nachdem er sie selbst minutenlang mit offenem Mund angestarrt hat) für einen Klassiker halten? Legt irgendjemand tatsächlich einmal im Jahr die Collectors-Edition Blu-ray von „Vater der Braut“ (Steve Martin sieht seine erwachsene Tochter immer noch als kleines Mädchen und durchsucht das Haus ihrer zukünftigen Schwiegereltern) ein?
 
Die beiden eben genannten Beispiele für „Psycho-Dad-Coms“ sind um die Dreißig Jahre alt. Und einer der beiden Filme ist ein Remake eines Films aus den fünfziger Jahren. Das kommt nicht von ungefähr, weil man geistig weit in der Vergangenheit leben muss, um so einen Film unterhaltsam zu finden. Und man muss geistig noch weiter in der Vergangenheit leben, um so einen Film zu drehen.
 
Regisseur Marc Rothemund hat interessante Filme wie „Sophie Scholl – Die letzten Tage“ aber auch Belanglosigkeiten wie „Harte Jungs“ gedreht. Und Drehbuchautor Hans G. Raeth hat „Mann tut was Mann kann“ und „Da muss Mann durch“ geschrieben. Und hier erkennen wir auch ein Muster, das uns das zweite große Problem von „Es ist zu deinem Besten“ erkennen lässt. Dieser Film wurde von alten Männern für alte Männer gedreht.
 
Eines Tages wird sie es uns danken!
 
Die Frauen in diesem Film sind bloße Handlungselemente und Klischees. Selbstverständlich geht es den Vätern in diesem Film nur um ihre Töchter. Aber wenn man Jürgen Vogels Figur im Finale mit seiner Tochter sieht, merkt man erst, dass diese beiden zuvor nur in einer Szene miteinander gesprochen hatten. Der Film zeigt so wenig echtes Interesse an den Töchtern, am Ende des Films haben wir nie erfahren, warum Yussufs Tochter nun die Schule geschwänzt und Marihuana im Spind hatte. Weil es für den Film egal ist. Die Väter brauchten bloß einen Anlass für ihre Überreaktionen.
 
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Wenn der Film keinerlei Interesse an den Töchtern zeigt, so kann man an den Ehefrauen keinerlei Interesse haben, weil sie bloß nervige Klischees sind. Arthurs Frau will die Stimmung beim ersten gemeinsamen Essen mit dem „Kommunisten“ auflockern, in dem sie darüber spricht, wie gut ihr die Maispoularde gelungen ist. Kalles Frau schleppt ihn zu einer Vernissage und erwähnt nicht, dass sämtliche ausgestellten Aktfotografien ihre Tochter zeigen. Und Yussufs Frau ist mal gegen, dann wieder für den neuen Freund und verlangt von ihrem Mann erst energisches Durchgreifen, um ihm dann für alles die Schuld zu geben.
 
Dazwischen schicken die Frauen in diesem Film ihre Männer auch schon mal „an die frische Luft“, weil diese „genug Computer gespielt“ haben. Die Männer bekommen auch schon mal aufgetragen, „Ihr denkt in Ruhe darüber nach, was ihr angerichtet habt.“ Oder müssen bis Zehn zählen, um sich zu beruhigen. Nachdem an einer Stelle erst seine Tochter und dann seine Frau aus dem Raum gestürmt sind, schaut Yussuf den Rektor seiner Tochter an, zuckt mit den Schultern und meint lapidar „Familie!“. Das sagt er aber bloß weil den Filmemachern noch rechtzeitig eingefallen ist, welches Jahr wir haben. Was er wirklich sagen wollte, war „Weiber!“.
 
Die englische Sprache kennt das schöne Wort „cringeworthy“. „to cringe“ heißt so viel wie „zusammenzucken“ oder „schaudern“. Und „zusammenzuckenswert“ ist so einiges an diesem Film. Zum Beispiel, wenn Yussuf den Filmabend mit seiner Tochter wie ein Date inszeniert und vorbereitet. Oder wenn die Väter eine Prostituierte engagieren wollen, um sie auf den Partner einer der Töchter anzusetzen. Als die Dame davon erfährt, fragt sie, „Also zieh ich mich jetzt nicht aus?“ und einer der Väter antwortet darauf geil grinsend „Doch, doch, doch“.
 
Das alles hat nicht nur keinerlei Stil. Es ist auch kein bisschen lustig. Und es ist nicht gut gemacht. In einem Berliner Club feiern keine zehn Statisten. In der ersten Reihe einer Demo kann man sich unterhalten. Und auf einer Autobahn fahren minutenlang keine Autos, damit wir das bekommen, was die Macher dieses Films für ein romantisches Finale halten. Ich würde gerne sagen, das Beste an dem Film ist, dass er bloß 90 Minuten dauert. Aber diese 90 Minuten kommen einem viel länger vor. Sehr viel länger.
 
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Heiner Lauterbach hat erst neulich in „Enkel für Anfänger“ gezeigt, was er kann. Jürgen Vogel hat in so unterschiedlichen Filmen wie „Das Leben ist eine Baustelle“ und „Der freie Wille“ geglänzt. Hilmi Sözer war der witzigste von Sky Dumonts Männern in „Der Schuh des Manitu“. Sie alle verschwenden ihr Talent in einem Film, in dem man besser Heinz Erhardt, Hans-Joachim Kulenkampff und Wolf Albach-Retty besetzt hätte, weil Filme wie dieser seit sechzig Jahren nicht mehr zeitgemäß sind.
 
Die alten Rollen der nervigen Ehefrauen spielen hier nicht Grethe Weiser, Mady Rahl oder Inge Meysel sondern Inka Friedrich („Blöde Mütze“), Marie-Lou Sellem („Sommernachtstod“) und Lisa Marie Potthof („Weißwursttango“). Unterschied macht das aber keinen.
 
Die Töchter spielen Janina Uhse („Der Vorname“), Lisa-Marie Koroll („Bibi & Tina“) und Lara Aylin Winkler („Nur eine Frau“). Keine der Damen hinterlässt einen Eindruck, der nach dem Abspann anhält.
 
Fazit
 
Dieser Film ist auf unangenehme Art altmodisch. Das ist schlimm. Er ist auch noch furchtbar langweilig. Das ist schlimmer. Und er ist kein bisschen witzig. Das ist am schlimmsten.
 
 
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