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*** Mulan ***


 

ouatih kritik

Autor: Walter Hummer
 
Disney präsentiert ein weiteres „live-action“-Remake eines bekannten Animationsfilms. Und wie die Heldin des Films muss sich auch der Film erst darauf besinnen, was er ist und was er sein möchte …
 
Ehre für das Haus
 
Vor langer Zeit in China: Mulan ist schlau, geschickt und mutig. Aber diese Qualitäten ziemen sich nicht für eine junge Frau, die doch nur als gute Ehefrau vermittelt werden soll. Als Feinde aus dem Norden das Reich überfallen, beruft der Kaiser einen Mann aus jeder Familie in die Armee ein. Aber Mulans alter Vater hat nur Töchter. Einem kaiserlichen Dekret nicht Folge zu leisten ist keine Option und so steht beschließt er, trotz seines Alters und seiner Behinderung durch eine alte Kriegsverletzung, dem Aufruf Folge zu leisten. Während der Nacht stiehlt Mulan das Schwert und die Rüstung des Vaters, gibt sich als Sohn aus zieht für den Vater in den Krieg. Würde man in der Armee ihr Geheimnis entdecken, wäre das das ihr Tod …
 
Disneys bisherige „live-action“-Remakes fielen extrem unterschiedlich aus. “Die Schöne und das Biest“ ist ein ganz zauberhafter Film, aber so nah an der Vorlage, dass er beinahe überflüssig wirkt. Tim Burtons „Dumbo“ hat kaum etwas mit dem Original gemeinsam und daher eine ganz eigene Qualität aber leider auch einige Defizite. „Aladdin“ hat letztes Jahr mit viel Aufwand wenig erreicht. „Mulan“ von 1998 ist einer der besten und leider unterschätzten Filme aus Disneys „Renaissance“-Ära. Die Geschichte einer intelligenten jungen Frau, die für ihre Familie Opfer bringt, das Kaiserreich rettet und dabei die Liebe findet, ist nicht nur für Mädchen ebenso unterhaltsam wie lehrreich.
 
 
Um es vorweg zu nehmen: Die Macher von „Mulan“ haben fast alles richtig gemacht. Die beste von vielen guten Entscheidungen war, konsequent einen Film für junge Erwachsene zu machen. Disney hat sich diesen Trick bei Pixar abgeschaut, die seit Jahren ihre Fortsetzungen immer ein bisschen „erwachsener“ ausfallen lassen als die Vorgängerfilme. Diese Realverfilmung ist genau der richtige Film für jeden, der als Kind ein Fan der Zeichentrickversion war. Sämtliche Themen der Vorlage werden diesmal auf eine sehr viel reifere Art und Weise behandelt.
 
Das bedeutet aber ganz klar, dass die neue Version nicht für kleine Kinder geeignet ist. Der Film von 1998 war ein Familienfilm im besten Sinne des Wortes. Das dumme FSK-System sorgt dafür, dass die neue Version auch Sechsjährige in Begleitung Erwachsener im Kino sehen dürfen. Für Kinder in diesem Alter ist der Film aber nicht nur wegen der Schlacht- und Kampfszenen sondern auch wegen der Darstellung einer Kultur, in der eine Frau verstoßen oder sogar getötet werden darf wenn sie sich nicht so verhält wie Männer es von ihr verlangen, definitiv nicht geeignet. Wer sich diesen neuen Film mit einem Sechsjährigen ansieht, begeht einen schweren Fehler.
 
Größere Kinder und Erwachsene dürfen sich auf einen extrem hochwertig produzierten Film freuen. Die teilweise großartigen Kampfszenen erinnern an Wuxia-Filme wie „Tiger and Dragon“ oder „Hero“, ohne diesen Stil einfach zu kopieren. Die Schlachtsequenzen wirken ebenso episch wie einige der Bilder aus der kaiserlichen Hauptstadt. Die Ausstattung des Films ist hervorragend. Bauten, Kostüme und Requisiten vermitteln das Exotische einer fremden, alten Kultur und wirken doch immer realistisch. Jedes Gebäude wirkt, als würden darin tatsächlich echte Menschen leben. Die Kostüme sehen aus, als würden sie von den Figuren tatsächlich täglich getragen.
 
01 ©2020 Walt Disney Pictures02 ©2020 Walt Disney Pictures03 ©2020 Walt Disney Pictures04 ©2020 Walt Disney Pictures
 
Sei ein Mann
 
Das Beste an dem Film ist aber immer noch die Geschichte. Die jungen, noch unbekannten Autorinnen Elizabeth Martin und Lauren Hynek und das erfahrene Autoren-Ehepaar Amanda Silver und Rick Jaffa („Planet der Affen: Prevolution“ und „Lost World“) haben eine stimmige Geschichte mit fantastischen Elementen und echten Charakteren verfasst. Und unter der Regie von Niki Caro („Kaltes Land“) bekommen wir nicht nur die Entwicklung der Heldin sondern auch die Irrtümer der anderen Figuren vermittelt. Wenn der Offizier während der Ausbildung seinen vermeintlich männlichen Rekruten ermutigt, sein Qi nicht zurückzuhalten, weist er tatsächlich einer jungen Frau den Weg. Wenn Mulan zusammen mit ihrer Rüstung ihre Verkleidung abwirft, weiß sie endlich, sie muss sich nicht verstecken, sich nicht als Mann ausgeben um eine Kämpferin zu sein.
 
Haben die Macher von „Mulan“ also alles richtig gemacht? Leider nicht ganz. Der Film funktioniert dort am besten, wo er seine eigenen Wege geht. Denn auch wenn die musikalischen Referenzen wunderbar stimmungsvoll klingen, so gehört manches was aus dem Vorgänger übernommen wurde zu den Schwachpunkten des neuen Films. Die Szene mit der Heiratsvermittlerin war 1998 schon reichlich albern, hat dort aber gepasst. 2020 stört diese Slapstick-Einlage den harmonischen Gesamteindruck. Auch kann man in einem Zeichentrickfilm die Heldin durch eine Lawine reiten lassen. In einem Realfilm funktioniert das leider nicht.
 
Der Film wirkt an manchen Stellen arg uneinheitlich gestaltet. Immer wieder stören abrupte Übergänge zwischen einzelnen Szenen. Auf eine wunderbare Szene, in der Mulan den Vater bei den Vorbereitungen zu seinem Aufbruch beobachtet, folgt eine Einstellung in der sie seine Rüstung trägt und schon sitzt sie auf dem Pferd und zieht anstelle des Vaters in den Krieg. So kann ihr Aufbruch kaum die nötige emotionale Wirkung entfalten. Auch die Szene, in der Mulan während der Ausbildung ihre Kraft entdeckt, fällt viel zu kurz aus. Und schon wird wieder zu einer Schlacht geschnitten.
 
In der Mitte des Films sehen wir wie Mulan sich bei der Verfolgung eines Trupps feindlicher Reiter als einzige bewährt. Diese großartige Sequenz endet aber wie abgeschnitten und plötzlich sehen wir die Heldin allein in einer komplett anderen Umgebung. Es wirkt beinahe, als wäre auch an diesem Film wieder viel herumgeschnitten worden. Disney hat das in den letzten Jahren öfter getan und nie ist ein Film dadurch besser geworden*. Vielleicht hätten sich die Entscheidungsträger bei Disney ein Beispiel an der Heldin des Films nehmen und mehr Mut zeigen und eigene Wege gehen sollen. So stören diese offensichtlichen Bruchstellen immer wieder den sonst so glatten Fluss dieses Films.
 
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Reflection
 
Reflection Der Film lebt aber vor allem von seiner bis in die kleinste Nebenrolle großartigen Besetzung. Yifei Liu hat in China bereits zwei Dutzend Filme gemacht. Sie spielt Mulan sowohl als unsicheres, ängstliches Mädchen, als starke, entschlossene Kämpferin und als liebende Frau. Selbst wenn ihre Figur sich als Mann ausgibt, wirkt sie immer natürlich. Yifei Liu ist das Zentrum dieses Films ohne ihn zu dominieren.
 
Der großartige Donnie Yen („Ip Man“, „Rogue One“) vermittelt die Autorität eines erfahrenen Offiziers und die Weisheit eines Mannes, der seinen Irrtum einsieht. Tzi Ma („Arrival“, „The Farewell“) zeigt als Vater die Würde eines echten Ehrenmannes und lässt erkennen, woher Mulan ihre Kraft hat.
 
Eine große Überraschung des Films ist die Rolle der Hexe Xian Lang, die in der Version von 1998 nicht vorkam. Wenn man sich am Anfang des Films fragt, was diese Figur zum Film beizutragen hat, wird schnell klar, dass sie die Kehrseite einer Medaille ist und mehr mit Mulan und ihrer Geschichte gemeinsam hat, als man zunächst vermutet hätte. Li Gong („Hannibal Rising“) zeigt in dieser Rolle eine beindruckende Präsenz und spielt Jason Scott Lee („Star Force Soldier“) als Bori Khan, den Anführer der feindlichen Horden, mehr als einmal an die Wand.
 
Fazit
 
Diese neue Version von „Mulan“ entfernt sich weit von dem Zeichentrickfilm von 1998. Und das ist gut so. Denn der Film funktioniert dort am besten, wo er seinen eigenen Weg geht. Die hervorragende Ausstattung und die großartige Besetzung sorgen für ein besonderes Kinoerlebnis.
 
 
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