*** Red Sparrow ***

 
rsparrow kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
Nach ihrem Tour-de-Force-Ritt in Darren Aronofskys unberechenbarem Psychoschocker „mother!“ spielt sich Hollywood-Star Jennifer Lawrence erneut die Seele aus dem Leib. Die Romanverfilmung „Red Sparrow“ zeigt sie als verführerische Ballerina, die nach einem schweren Bühnenunfall ihre verheißungsvolle Karriere an den Nagel hängen muss und zu einer Spezialagentin des russischen Geheimdienstes ausgebildet wird.
 
Spionin wider Willen
 
Mit Fleiß und einem starken Willen hat es die Tänzerin Dominika Egorova (Lawrence) zu einer echten Größe am berühmten Bolschoi-Theater in Moskau gebracht. Ihre vielversprechende Laufbahn nimmt allerdings ein jähes Ende, als ihr Partner der jungen Frau kurz vor dem Ende einer Vorführung auf das Bein springt und ihr dabei eine gravierende Verletzung zufügt.
 
Was auf den ersten Blick wie ein schrecklicher Unfall aussieht, entpuppt sich als gezielte Attacke, um Dominikas bevorzugte Stellung nachhaltig zu untergraben. Während die talentierte Ballerina ihre verbaute Zukunft noch betrauert, tritt ihr Onkel Vanya (Matthias Schoenaerts), der Vizedirektor des russischen Geheimdienstes SWR, mit einem brisanten Angebot an sie heran: Will sie ihre Wohnung und die umfassende medizinische Versorgung für ihre kranke Mutter (Joely Richardson) behalten, soll sie einen einflussreichen Mann umgarnen und ihm ein falsches Handy unterjubeln.
 
Widerwillig lässt sich Dominika auf die Offerte ein und staunt nicht schlecht, als ihre Zielperson während des Stelldicheins brutal ermordet wird.
 
 
Ihr Onkel, der die Tötung angeordnet hat, stellt sie daraufhin vor eine grausame Wahl. Entweder erklärt sich Dominika bereit, am berüchtigten Sparrow-Programm teilzunehmen, das junge Agenten auch in der Kunst der Verführung unterweist. Oder aber sie muss sterben, da sie als Zeugin des Mordes eine Gefahr für den Geheimdienst darstellt. Um weiterhin für ihre Mutter sorgen zu können, begibt sich die ehemalige Tänzerin widerwillig in die Einöde, wo die knallharte Ausbilderin Matron (Charlotte Rampling) bereits auf sie wartet.
 
Im Anschluss an das entwürdigende Training, bei dem Dominika ihren Körper und ihren Verstand als Waffen einzusetzen lernt, erhält sie den Auftrag, den CIA-Agenten Nate Nash (Joel Edgerton) zu bezirzen, der vor geraumer Zeit nach einem verpatzten Einsatz Moskau verlassen musste und nun in Budapest darauf wartet, dass sich sein russischer Kontaktmann, ein Mitglied des SWR, wieder aus der Deckung wagt.
 
Den Namen des Maulwurfs soll die frischgebackene Sparrow-Agentin für ihren Onkel in Erfahrung bringen.
 
Blutiges Katz-und-Maus-Spiel
 
Einen starken Eindruck hinterlässt besonders Hauptdarstellerin Jennifer Lawrence, die hier eine ganze Palette von Emotionen abrufen darf. In manchen Momenten wirkt die von ihr gespielte Dominika glaubhaft verletzlich und unsicher, in anderen erstaunlich selbstbewusst, rücksichtslos und grimmig entschlossen. Dass es in der einstigen Weltklassetänzerin brodelt, unterstreicht der Film schon im Anfangsdrittel, wenn die Protagonistin mit erschreckender Härte auf die beiden Menschen einprügelt, die für das Ende ihrer Ballettkarriere verantwortlich sind.
 
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Ein Gewaltausbruch, der den Zuschauer in seiner Gnadenlosigkeit kräftig durchschüttelt und den Boden für einige spätere Grausamkeiten bereitet. Anders als viele Agententhriller, die eher verspielt mit Konfrontationen umgehen, blendet „Red Sparrow“ die blutigen Folgen oft nicht aus und schlägt für eine Mainstream-Arbeit eine überraschend harte, manchmal fast schon unerträgliche Gangart an.
 
Regisseur Francis Lawrence, der mit seiner Namensvetterin Jennifer bereits bei den letzten drei Filmen der „Tribute von Panem“-Reihe zusammengearbeitet hat, schüttelt einige mitreißende Passagen aus dem Ärmel – packend und schön orchestriert ist etwa eine Montage zu Beginn – und kann sich beim Ankurbeln der Spannung auch auf Komponist James Newton Howard verlassen, dessen treibender Score viele Momente atmosphärisch aufwertet. Besonders beklemmend wirken die Sequenzen im unmenschlichen Ausbildungslager, in denen eine furchteinflößend kalte Charlotte Rampling dem Betrachter mehr als einmal einen Schauer über den Rücken jagt.
 
Die Winkelzüge und Täuschungsmanöver, die Justin Haythe für sein Drehbuch aus der Romanvorlage des ehemaligen CIA-Beamten Jason Matthews herausgefiltet hat, halten das Interesse am Geschehen meistens hoch, sind bei genauerem Hinsehen aber weniger raffiniert verbunden, als es die Macher gerne hätten. Bestimmte Plot-Entwicklungen erscheinen etwas forciert. Und der Annäherung zwischen Dominika und Nate fehlt das gewisse Knistern, um ein rundum fesselndes Verwirrspiel loszutreten. Fragwürdig ist in jedem Fall die recht eindimensionale Zeichnung des russischen Geheimdienstes, der in all seiner Verkommenheit und Brutalität ausgestellt wird, während die CIA im Vergleich wie eine brave Wohltätigkeitsorganisation daherkommt. Ein paar Nuancen wären hier sicher nicht verkehrt gewesen.
 
Fazit
 
Der erstaunlich kompromisslose Spionagethriller „Red Sparrow“ ist stark gespielt, kompetent in Szene gesetzt, erzählerisch aber nicht immer auf der Höhe.
 
 
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