*** Jackass Forever ***

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*** Jackass Forever ***


 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Vor kurzem mussten wir darüber informieren, dass ein mittlerweile für sechs Oscars nominierter Film tatsächlich leider ein frauenfeindliches, menschenverachtendes und mittelmäßiges Eitelkeitsprojekt war. Was gibt es also über den mittlerweile fünften Aufguss einer alten Fernsehserie zu berichten?
 
Did the milk come out?
 
Vor mehr als zwanzig Jahren konnte man auf MTV zum ersten Mal sehen, wie Johnny Knoxville, Steve-O, Chris Pontius und andere mäßig begabte Herrschaften sich in Gefahr brachten, erniedrigten und verletzten. Damals hätte niemand gedacht, dass diese Serie einmal fünf Kinofilme hervorbringen (und als Inspiration für einen nicht unwesentlichen Teil aller youtube-Videos dienen) würde. Zu dumm, zu primitiv erschien das Konzept. Aber dieses Konzept ging auf. Was gibt es also über den neuen Film der Serie zu berichten?
 
Es gibt überraschend viel Gutes zu berichten. Das mögen andere Kritiker anders sehen. Aber das liegt daran, dass viele Kritiker Mühe haben, Filme als das zu betrachten, was sie sind und danach zu bewerten, ob sie ihr Ziel erreichen. Viele Kritiker verstehen nicht, dass es nicht darum geht, ob z.B. eine Comic-Verfilmung so gut ist wie „Lawrence von Arabien“. Es geht darum, ob eine Comic-Verfilmung so gut ist wie „The Dark Knight“. Und eine romantische Komödie sollte man nicht am Maßstab von „Dead Man Walking“ messen, sondern an „Vier Hochzeiten und ein Todesfall“.
 
 
Man muss Filme also am Standard ihres Genres bewerten, nicht nach ihrem Genre abwerten. Ich weiß nicht, wie man das Genre von „Jackass Forever“ nennen mag. Aber von allen „eine-Bande-mäßig-begabter-Typen-bringt-sich-ständig-in-Gefahr-und-erniedrigt-sich“-Filmen, die ich je gesehen habe, ist „Jackass Forever“ einer der besten, wenn nicht sogar der Beste. Und weil ich auch mal Äpfel mit Glühbirnen vergleichen möchte, folgt jetzt ein Vergleich zwischen „Jackass Forever“ und dem sechsfach-Oscar-nominierten „King Richard“:
 
„King Richard“ wollte die Erfolgsgeschichte zweier Sportlerinnen erzählen und hat sein Ziel komplett verfehlt. „Jackass Forever“ will das Publikum mit saudummen Stunts amüsieren und erreicht sein Ziel in jeder Minute des Films. Ich habe vor zwanzig Jahren kaum jemals eine ganze Folge der Serie gesehen, bin also sicher kein Fan. Aber ich hatte während der 96 Minuten des neuen Films meinen Spaß. Natürlich waren die Stunts saudumm. Aber sie waren komisch. Und der ganze Saal hat gelacht. Einschließlich der Kritikerin, die nach dem Film erklärte, dass „man das ja wohl kaum als Film bezeichnen könne“.
 
„King Richard“ hatte ein Budget von 50 Millionen Dollar und war mittelmäßig produziert. „Jackass Forever“ wurde für gerade mal 10 Millionen Dollar sehr einfallsreich und fast schon liebevoll produziert. Die Bauten und Gerätschaften, die für manche der Stunts benötigt werden, beeindrucken oft mehr als die Aktionen der Darsteller. Auch wenn die Durchführung der Stunts oft wenig professionell wirkt, ist das Produktionsniveau gemessen am Budget erstklassig. Mithilfe unterschiedlicher Kameraperspektiven, Drohnenflüge, extremer Zeitlupe und anderer Techniken wird das bestmögliche Filmerlebnis geboten. Gut, man sieht mehr als einmal, wie ein Kameramann sich übergeben muss.
 
01 ©2022 Paramount Pictures02 ©2022 Paramount Pictures03 ©2022 Paramount Pictures04 ©2022 Paramount Pictures
 
Aber Stammregisseur Jeff Tremaine ist bereit nicht nur diesen Preis zu bezahlen. Mehr als einmal sehen wir, was auch der Mann im Regiestuhl auf sich nehmen muss. „King Richard“ war langweilig. Selbst die Tennisszenen in diesem Film über Tennis waren weder spannend noch interessant anzusehen. „Jackass Forever“ ist keine Minute lang langweilig. Es gibt immer was zu sehen.
 
Zugegeben, das was es zu sehen gibt, ist teilweise ekelhaft, oft schmerzhaft und immer saudumm. Aber dieser Film hat viel zu bieten. Auch wenn ich nicht damit gerechnet hatte, so viele nackte, männliche Geschlechtsteile zu sehen zu bekommen und mein Bedarf daran nun auch wirklich gedeckt ist, gibt es doch einfach ständig irgendetwas zu sehen.
 
Hier ein kurzer Überblick, über die Attraktionen dieses Films (Achtung! Spoiler!):
  • Ein Test für Suspensorien bei dem jemanden ein Hockeypuck auf die Eier geschossen, ein Softball auf die Eier geworfen, von einem Schwergewichtsboxer in die Eier geschlagen und mit einem Pogo-Stick auf die Eier gesprungen wird (Spoiler: es tut jedes Mal weh)
  • Der Versuch, einen Furz unter Wasser anzuzünden (Spoiler: es funktioniert)
  • Der Versuch, einen wilden Stier mit einem Zaubertrick abzulenken (Spoiler: das funktioniert nicht)
  • Eine Botox-Behandlung durch einen lebenden Skorpion (Spoiler: auch das tut weh)
  • Einem nackten Mann wird ein Behälter mit einer Bienenkönigin an den Penis gebunden, damit sich der Rest des Bienenvolks um sie scharrt (Spoiler: der Mann wird gestochen)
05 ©2022 Paramount Pictures04 ©2022 Paramount Pictures03 ©2022 Paramount Pictures03 ©2022 Paramount Pictures
 
Das alles und noch viel mehr ist nicht schön anzusehen. Und einiges ist sogar furchtbar anzusehen. Trotzdem bekommt man vieles davon in Nahaufnahme zu sehen. Ich glaube, ich hatte im Kino nicht mehr so oft die Hand vor Augen, seit ich mit dreizehn Jahren allein „Aliens“ gesehen habe. Aber man muss zugeben, im Gegensatz zu „King Richard“ bietet „Jackass Forever“ definitiv Schauwerte. Dazu gehört auch eine von Spike Jonze gestaltete Sequenz mit einem „kaiju“ der ganz besonderen Art (Spoiler: es ist ein Penis).
 
We have our winners …
 
„King Richard“ war ein menschenverachtender Egotrip. „Jackass Forever“ sprüht vor Lebensfreude und Teamgeist. Man hat das Gefühl, die Protagonisten, sowohl die alten Hasen als auch die neuen Teammitglieder, könnten tatsächlich Freunde sein. Immer wenn Blut fließt oder ein Kaskadeur nicht sofort aufsteht (Spoiler: beides passiert mehr als einmal), sieht man andere Darsteller besorgt zur Hilfe eilen. Die Mitglieder dieser merkwürdigen Truppe tun sich selbst und einander einiges an. Aber nie wirkt das brutale Spiel boshaft.
 
Tatsächlich wirkt das Treiben auf der Leinwand direkt kindlich. Oder sagen wir besser, es wirkt präpubertär. Wie unbeaufsichtigte Zwölfjährige, die aus Übermut vom Dach springen oder die Küche abfackeln, feuern die Teammitglieder einander ständig gegenseitig an und stacheln einander auf. Und wie Präpubertierende, die körperliche Nähe suchen, aber noch keinen Zugang zum anderen Geschlecht haben, umarmen einander diese teilweise gar nicht mehr so jungen Männer immer wieder ebenso unschuldig wie innig. Es ist eine wahre Freude so viel Herzlichkeit im Kino zu sehen.
 
„King Richard“ war einer der frauenfeindlichsten Filme der letzten Jahre. So unreif die Protagonisten von „Jackass Forever“ auch wirken, so wissen sie doch, was sich gehört. Einer der Neuzugänge im Team ist Rachel Wolfson. Als der jungen Frau ein Skorpion von ihrem Hals zur Brust wandert und sie deshalb schreit, bietet einer ihrer Teamkameraden an, den Skorpion zu entfernen, fragt aber schnell noch ausdrücklich nach ihrer Zustimmung, sie zu berühren. Damit war der Drehort dieses Films wohl ein frauenfreundlicherer Arbeitsplatz als viele andere.
 
… and we have Steve-O
 
„King Richard“ war eine One-Man-Show für einen eitlen Star. Johnny Knoxville, unbestreitbar der mit Abstand größte Star des Ensembles, ist nicht öfter im Bild zu sehen als seine Kollegen. Und der mittlerweile über Fünfzigjährige schont sich auch nicht. Die Wiederholung eines Stunts aus der alten Fernsehserie geht gar nicht gut aus. Knochen werden mit dem Alter leider nicht elastischer. Das hätte ich Herrn Knoxville vorher sagen können (bei Interesse reiche ich gerne Auszüge meiner Krankengeschichte nach).
 
Auch die anderen Altstars wie Steve-O, Chris Pontius, Dave England, Ehren McGhehey oder „Wee Man“ schenken sich nichts. Die Männer sind alle in ihren sehr späten Vierzigern und vermitteln trotzdem eine spitzbübische Freude an der Zerstörung, selbst wenn es die Zerstörung des eigenen Körpers ist.
 
Und ein letztes Mal ziehen wir den unzulässigen Vergleich zu „King Richards“ (je mehr ich darüber nachdenke, umso klarer wird mir, dass wir wohl das mieseste Kinojahr aller Zeiten hinter uns haben, wenn dieser Film für sechs Oscars nominiert wurde). Wo in „King Richards“ die junge Generation herablassend behandelt und vom Star an den Rand gedrängt wurde, wird in „Jackass Forever“ die nächste Generation vorgestellt und darf sich schon mal austoben.
 
Zach Holmes hat vielleicht nicht die Figur eines Athleten. Aber der junge Mann mit der sympathischen Ausstrahlung ist sich bereits in seinem ersten Kinofilm offensichtlich für nichts zu schade. Sean „Poopies“ McInerney zeigt echte Leidensfähigkeit. Und Rachel Wolfson ist mit ihrem natürlichen Sinn für Humor eine Bereicherung der Truppe. Einige Gaststars wie Tony Hawk, Eric Andre und Machine Gun Kelly sind auch für ein paar witzige Auftritte gut.
 
Fazit
 
Natürlich ist „Jackass Forever“ plump und saudumm. Aber der Film ist auch witzig. Dieser Film bereitet einfach nur ehrlichen Spaß. Das Publikum muss bloß bereit sein, den Anblick von viel zu vielen Penissen und Skrota in Kauf zu nehmen.
 
 
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