*** The Forever Purge ***

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*** The Forever Purge ***


 
dfdh kritik
 
Autor: Cristopher Diekhaus
 
Was 2013 mit dem Home-Invasion-Streifen „The Purge - Die Säuberung“ begann, geht auf der großen Leinwand inzwischen in die fünfte Runde. Auch der neue Film der düster-satirischen Reihe über das Amerika der nahen Zukunft setzt zumeist auf den Holzhammer, ist in manchen Punkten aber erschreckend nah an der Wirklichkeit.
 
Brutaler Klassenkampf
 
In „The First Purge“, dem vierten Teil der an den Kinokassen erfolgreichen, von Kritikern wegen ihrer reißerischen Machart aber durchwachsen aufgenommen Horror-Action-Saga, führte der in diesem Fall nur noch für das Drehbuch verantwortliche Reihenschöpfer James DeMonaco das Publikum zu den Ursprüngen der titelgebenden Säuberungsnacht, jenen 12 Stunden, in denen ein Mal im Jahr alle Verbrechen, selbst Mord, straffrei sind. Was als Mittel zum Frustabbau und als Maßnahme zur Senkung der Kriminalitätsrate angepriesen wird, erweist sich auch als gezielte Aktion gegen die armen Bevölkerungsschichten.
 
Kapitel fünf, das eigentlich den Abschluss bilden sollte, wohl aber nicht das letzte sein wird, springt auf dem Zeitstrahl wieder ein Stück weit nach vorne und schließt an den dritten Film „The Purge: Election Year“ an, der mit dem Wahlsieg einer liberalen Senatorin endet und die Abschaffung der alljährlichen Purge in Aussicht stellt. Acht Jahre nach diesen freudigen Ereignissen haben, so zeigt es „The Forever Purge“, die Neuen Gründungsväter Amerikas, die Erfinder der staatlich abgesegneten Reinigungsnacht, jedoch die Macht zurückerobert und ihre blutige Tradition wieder eingeführt.
 
 
Der tiefe Graben zwischen Arm und Reich, der nach dem Reihenauftakt immer mehr ins Zentrum rückte, spielt auch im neuen Beitrag eine große Rolle. Nicht umsonst steigen wir mit der Flucht des mexikanischen Paares Adela (Ana de la Reguera) und Juan (Tenoch Huerta) aus ihrem Heimatland ein. Wie so oft sollte man das Szenario freilich nicht auf seine Logik hin abklopfen. Fragen müsste man dann nämlich zum Beispiel, ob es wirklich glaubwürdig ist, dass die beiden noch an das Land der unbegrenzten Möglichkeiten glauben. Warum flüchten sie ausgerechnet dorthin, wo in regelmäßig wiederkehrenden Abständen mit dem Segen der Regierung Blutbäder stattfinden, bei denen mittellose Menschen die bevorzugten Opfer sind? Adelas und Juans Backstory, die lediglich angerissen wird, liefert Argumente für ihre Entscheidung. Etwas seltsam mutet sie dennoch an.
 
Eine Nacht ist nicht genug
 
Schon kurze Zeit nach ihrer Ankunft in den USA haben die Eheleute Fuß gefasst. Sie arbeitet in einer Küche, er als Cowboy auf dem Gut des wohlhabenden, patriotisch eingestellten, aber wohlmeinenden Caleb Tucker (Will Patton), dessen Sohn Dylan (Josh Lucas) offenkundig eine Abneigung gegen Mexikaner hegt. Während sich die Tuckers vor Beginn der Purge in ihrem ausladenden Landhaus mithilfe modernster Sicherheitseinrichtungen verbarrikadieren, verbringen Adela und Juan die lebensbedrohlichen 12 Stunden in einer von bezahlten Kräften bewachten Unterkunft für Migranten. Nicht zu übersehen: Die Schutzlosigkeit der Einwanderer wird hier schamlos ausgebeutet.
 
Glücklich, die Säuberung überlebt zu haben, machen sie sich am nächsten Morgen auf den Weg zur Arbeit, müssen aber schon bald einer grauenhaften Wendung ins Auge sehen: Einige Nationalisten wollen das Morden nicht einstellen, sondern rebellieren gegen die Neuen Gründungsväter und rufen eine immerwährende Purge aus, um Amerika von allen fremden Kräften zu befreien.
 
01 ©2021 Universal Pictures02 ©2021 Universal Pictures03 ©2021 Universal Pictures04 ©2021 Universal Pictures
 
Einmal mehr pfeift DeMonacos Skript auf subtile Überlegungen und knallt dem Zuschauer eine bleihaltig-deftige Actionshow um die Ohren, in der - auch das kennt man aus den Vorgängern - bizarr kostümierte Gestalten ihren destruktiven Impulsen freien Lauf lassen. Heute, da man die Bilder des von Donald Trump aufgehetzten Mobs vor Augen hat, der Anfang 2021 gewaltsam in das Kapitol eindrang, wirken die Eskalationen der um einen Serienableger ergänzten „Purge“-Reihe gar nicht mehr so zugespitzt. Denkt man etwa an den irren, in einer Büffelverkleidung auftretenden Typen bei der Stürmung auf den Sitz des Kongresses, wirken die Maskeraden in „The Forever Purge“ und den anderen Titeln fast schon erschreckend realistisch.
 
Geschickt legt der Film in den ersten zwanzig Minuten ein paar falsche Fährten aus und bringt Dylan als Juans möglichen Gegenspieler in Stellung. Der Überlebenskampf nach dem offiziellen Purge-Ende zwingt Adela und ihren Mann allerdings zur Zusammenarbeit mit Calebs Sohn, dessen hochschwangerer Ehefrau Cassie (Cassidy Freeman) und seiner Schwester Harper (Leven Rambin). Der mexikanische Regisseur Everardo Gout („Mars“) setzt die von einer brenzligen Situation zur nächsten springende Handlung ohne große Schnitzer in Szene und kann in manchen Momenten, etwa als Dylan seinen Truck verlässt, effektiven Nervenkitzel produzieren.
 
„The Forever Purge“ ist passables, handwerklich nicht zu beanstandendes Spannungskino, verpasst es aber ebenso wie frühere Teile, die gesellschaftlichen Entwicklungen und Bedingungen genauer unter die Lupe zu nehmen. Dass der Aufstand gegen die begrenzte Säuberungsnacht eine konzertierte Aktion ist, lässt sich leicht erahnen. Über die Hintergründe erfahren wir aber so gut wie nichts. Den Machern scheint die Schockwirkung dann doch wichtiger zu sein als ein reizvoller Ausbau ihrer dystopischen Storywelt. Das Ende wartet, gerade im Hinblick auf Trumps Anti-Mexiko-Parolen, mit einem gelungenen Dreh auf. Der Weg dorthin ist jedoch erneut etwas zu grell und formelhaft, um permanentes Unbehagen zu erzeugen.
 
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Fazit
 
Auch wenn „The Forever Purge“, der fünfte Leinwandaufschlag der mit Horror- und Actionelementen garnierten dystopischen Reihe inzwischen beängstigend realistisch wirkt, wird durch die plakative Aufmachung wieder einmal Potenzial verschenkt.
 
 
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