*** Tides ***

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*** Tides ***


 
dfdh kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Tim Fehlbaum, der 2011 mit „Hell“ im deutschsprachigen Kino eher ungewohnte Endzeitgefilde betrat, konfrontiert das Publikum im Science-Fiction-Thriller „Tides“ erneut mit einer lebensfeindlichen Welt.
 
Zurück auf die Erde
 
Nicht umsonst heißt es, der zweite Spielfilm sei schwerer auf den Weg zu bringen als der erste. Nach seinem recht positiv aufgenommenen Solodebüt „Hell“, das ein dystopisches Dürreszenario mit Hinterwäldlerhorror à la „The Texas Chainsaw Massacre“ verbindet, benötigte der in der Schweiz geborene Regisseur und Drehbuchautor Tim Fehlbaum zehn Jahre, um seinen nächste abendfüllende Arbeit vorzulegen.
 
Erfreulich ist dabei allemal, dass er dem hierzulande fast nicht existenten postapokalyptischen Kino treu bleibt. Wurde „Hell“ noch auf Deutsch gedreht, was die weltweite Vermarktung etwas komplizierter machte, richtet sich der mit diversen Nationalitäten besetzte, englischsprachige Sci-Fi-Beitrag „Tides“ deutlicher an ein internationales Publikum. Erfolg – das sei vorweggeschickt – ist dem Projekt auf jeden Fall zu wünschen. Schon deshalb, weil aus Deutschland, Österreich oder der Schweiz heraus ambitionierte Filme dieser Art leider nur selten produziert werden.
 
 
Wie uns einführende Texttafeln erklären, konnte der Mensch die Zerstörung seiner Heimat nicht abwenden. Das Ökosystem kollabierte, Wassermassen brachen über die Landflächen herein, und nur einigen Eliten gelang es, auf den Planeten Kepler 209 zu flüchten und eine neue Kolonie zu errichten. Auch dort ist das Leben inzwischen jedoch bedroht, da sich die Bewohner nicht mehr fortpflanzen können. Eine Expedition, die auf die Erde zurückgeschickt wurde, um zu klären, ob eine Wiederbesiedlung möglich sei, verschwand plötzlich vom Radar.
 
Die zweite Ulysses-Mission soll nun endlich Klarheit bringen, steht aber ebenfalls unter keinem guten Stern. Bei der Bruchlandung der Kapsel sterben alle Insassen bis auf die Astronautin Blake (Nora Arnezeder) und ihren Kollegen Tucker (Sope Dirisu). Sehr bald erfahren die beiden auf schmerzhafte Weise, dass es in der ständig von Überschwemmungen heimgesuchten Einöde, anders als erwartet, Überlebende gibt. Diese verschleppen das Duo in eine ihrer Siedlungen, wo Blake nur wenig später mitansehen muss, wie der Stamm von einer anderen Gruppe überfallen wird. Die junge Frau heftet sich daraufhin an die Fersen der Angreifer und erreicht schließlich ihren Rückzugsort.
 
Hypnotische Endzeitbilder
 
„Tides“ erfindet das Rad natürlich nicht von Grund auf neu und weckt ein ums andere Mal Erinnerungen an andere dystopische Filme wie Kevin Costners berüchtigte Großproduktion „Waterworld“ oder George Millers hochtourigen Genreklassiker „Mad Max“. Nichtsdestotrotz entwerfen Fehlbaum und Koautorin Mariko Minoguchi („Mein Ende. Dein Anfang.“) ein Zukunftsszenario mit einigen spannenden Facetten. Am Ende wünscht man sich allerdings, sie hätten ihre verheerte Welt noch etwas gründlicher erforscht. Manches bleibt bis zum Ende leider zu diffus. Verkehrt wäre es zum Beispiel nicht gewesen, den „Muds“ genannten Menschen, von denen Blake zunächst entführt wird, ein bisschen mehr Aufmerksamkeit zu schenken. Mit Narvik (Sarah-Sofie Boussnina) und ihrer Tochter Maila (Bella Bading) ragen zwar zwei Figuren ein Stück weit heraus. Besonders die Mutter spielt im Mittelteil aber fast keine Rolle mehr.
 
01 ©2021 Constantin Film02 ©2021 Constantin Film03 ©2021 Constantin Film04 ©2021 Constantin Film
 
Das Skript ist dann doch sehr stark auf Blake zugeschnitten, die mit ihrem Erkundungstrip auf die Erde auch eine ganz persönliche Reise unternimmt. Regelmäßig eingestreute Rückblenden verraten, dass ihr Vater (Sebastian Roché) Mitglied der ersten verschollenen Ulysses-Mission war. Und insgeheim hofft die Protagonistin, ihn zu finden. Blakes Entwicklungsbogen könnte aufwühlend und packend sein. Ein wenig fehlt ihm aber der Feinschliff, um vollends zu überzeugen. Wie sie das mantraartige Kepler-209-Motto „Alles für die Gemeinschaft“ und ihren Auftrag zu hinterfragen beginnt, zeichnen Fehlbaum und Minoguchi eher hastig als eindringlich nach. Konstatieren muss man auch, dass nicht wenige Wendungen der Geschichte und die Absichten einiger Personen problemlos vorherzusehen sind. Klischeehaft eindimensional ist etwa der von Joel Basman verkörperte sadistische Handlanger, dessen Boss Gibson (Iain Glen) automatisch als Bösewicht demaskiert wird.
 
Obwohl es manches zu bemängeln gibt, entpuppt sich „Tides“ keineswegs als Enttäuschung. Vor allem atmosphärisch liefert der Science-Fiction-Thriller nämlich fleißig ab. Bereits der Einstieg, der uns den Absturz der Landekapsel hautnah miterleben lässt, ist ungemein immersiv. Kameramann Markus Förderer, der bereits in „Hell“ einprägsame Endzeitbilder fand, fängt das feuchte Wattenmeer, zu dem unser Planet geworden ist, immer wieder spektakulär ein. In technischer Hinsicht kann sich der Film durchaus mit höher budgetierten Hollywood-Werken messen. Eindruck hinterlässt außerdem Hauptdarstellerin Nora Arnezeder, deren zupackende Performance für einige berechenbare Story-Abschnitte entschädigt. Gespannt sein darf man schon jetzt, was Tim Fehlbaum als Nächstes aus dem Ärmel schüttelt – wobei zu hoffen bleibt, dass nicht wieder zehn Jahre ins Land ziehen.
 
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Fazit
 
Inhaltlich ausbaufähiger, dafür aber stimmungsvoll fotografierter, handwerklich insgesamt kompetenter Ausflug in eine desillusionierende Zukunft.
 
 
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