*** Venom: Let There Be Carnage ***

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*** Venom: Let There Be Carnage ***


 
dfdh kritik
 
Autor: Walter Hummer
 
Nach „Deadpool“ und „Logan“ war „Venom“ vor drei Jahren die dritte Comic-Verfilmung, die mit vergleichsweise geringem Budget gedreht wurde und deshalb etwas andere Wege gehen durfte. Aber nicht nur das ist im zweiten Teil anders …
 
When routine bites hard and ambitions are low
 
Venom lebt seit Teil Eins in Symbiose mit Eddie Brock (Tom Hardy). Das funktioniert mehr schlecht als recht, weil der Außerirdische vor allem Hirne fressen will, während Eddie nur seine Ruhe haben möchte. Derweil soll Serienkiller Cletus Kasady (Woody Harrelson, der zum ersten Mal in seinem Leben einen Irren spielt. Oder doch eher zum x-ten Mal?) für seine Verbrechen hingerichtet werden. Weil dieser Cletus in Teil Eins so penetrant als Schurke des nächsten Teils angekündigt wurde, darf es niemanden überraschen, wenn alles schief läuft und Venom und Eddie einen neuen mächtigen Gegner zu bekämpfen haben ….
 
Nachdem ich „Venom: Let There Be Carnage” gesehen hatte, wollte ich ihn zunächst als „mittelmäßig“ einstufen. Eine mittelmäßige Comic-Verfilmung, eine mittelmäßige Fortsetzung, ein alles in allem mittelmäßiger Blockbuster. Aber wir haben 2021. In den letzten Jahren kamen so immens viele Comic-Verfilmungen, Fortsetzungen und Blockbuster heraus, von denen einige hervorragend, viele sehr gut und jede Menge mittelmäßig waren, dass das mittlere Maß sich deutlich verschoben hat. Vor zehn Jahren wäre „Venom: Let There Be Carnage” vielleicht mittelmäßig gewesen. Im Vergleich zu mittelmäßigen aber immer noch unterhaltsamen Filmen wie „Thor“ oder „Iron-Man 2“ hat Venoms zweites Abenteuer einfach nicht genug zu bieten.
 
 
Die Handlung ist lächerlich. Das Drehbuch wurde von der Autorin Kelly Marcel geschrieben. Das Publikum sollte sich von der Einblendung „Story by Tom Hardy“ nicht irritieren lassen. Die Vorstellung, Tom Hardy hätte an der Tastatur gesessen und eine Geschichte getippt, ist zwar reizend aber sicher falsch. „Story by …“ in Verbindung mit dem Namen des Hauptdarstellers bedeutet in Hollywood bloß, der Hauptdarsteller hat vor Produktionsbeginn ein paarmal Sätze ausgesprochen die mit „Wäre es nicht toll, wenn meine Figur …“ begonnen haben. Und weil man das Ego eines Hauptdarstellers immer hegen, pflegen und hätscheln muss, bekommt er einen „writer’s credit“, noch ein bisschen mehr Geld und zusätzlich noch einen Eintrag mehr bei imdb.com.
 
Aber Kelly Marcel ist eine richtige, professionelle Drehbuchautorin. Sie hat u.a. an den Büchern zu „Saving Mr. Banks“, „Fifty Shades of Grey“ und „Venom“ mitgearbeitet. Keiner dieser Filme ist bekannt dafür, besonders spannend gewesen zu sein. Aber „Venom: Let There Be Carnage” ist einfach nur langweilig. Es passiert einfach nicht genug. Exposition, Gefängnisausbruch, lustige Zwischensequenz, Endkampf, das war‘s. Dieser Film läuft, inklusive obligatorischer „mid-credit-scene“, gerade mal 97 Minuten. Damit ist er, verglichen mit ähnlichen Filmen der letzten zwanzig Jahre, praktisch ein Kurzfilm. Trotzdem hat der Film Längen. Dieser 97-Minuten-Film hätte von einem rigoroseren Schnitt deutlich profitiert.
 
Der Film ist auch deshalb so langweilig, weil er einfach nicht witzig ist. Man sieht immer wieder Szenen und Situationen, die sicher witzig gemeint sind. Aber leider sind sie es nicht. Und nicht etwa, weil die Gags nicht funktionieren, sondern weil die Gags schlicht und einfach fehlen. Der Film bietet uns eine längere Sequenz, in der Venom, ohne an Eddie gebunden zu sein, eine Art Club besucht in dem gerade eine Art Halloween-Party stattfindet. Die anderen Gäste beglückwünschen das drei Meter große Wesen zu seinem Kostüm und Venom erklimmt sogar die Bühne und schnappt sich ein Mikrofon. Während dieser ganzen mehrminütigen Sequenz tut oder sagt keine der Figuren auf der Leinwand etwas Witziges. Wir sehen hier eine klassische humorige Zwischensequenz, ohne einen einzigen Gag.
 
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Aber der Autorin Kelly Marcel fallen nicht nur keine Gags ein. Und sie hat nicht nur keine Ahnung, wie man eine echte Handlung konstruiert. Sie hat überhaupt keine eigenen Einfälle. Ich halte „Solo für 2“ und „Little Shop of Horrors“ auch für echte Klassiker, die nach über dreißig Jahren durchaus noch Beachtung verdienen. Trotzdem kann ich es nicht gut finden, wenn ganze Szenen daraus gestohlen und neu verfilmt werden.
 
Das Drehbuch bedient sich nicht nur bei einzelnen alten Filmen, sondern bei der Gesamtheit der Filmgeschichte, wenn es uns eine Revue der lächerlichsten Filmklischees bietet. Da haben wir die Ex, die den Helden unbedingt persönlich über ihre Heiratspläne unterrichten muss. Da gibt es Spuren und Hinweise, die niemand ernst nehmen kann. Hier löst man Fälle anhand eines nach fünfundzwanzig Jahren immer noch leserlichen Herzens samt Initialen in einem Baum und anhand eines Bildschirms, der nach einer verheerenden Explosion immer noch die wesentliche Information anzeigt. Es gibt einen Polizisten der seit fünfundzwanzig Jahren bei allen wichtigen Fällen dabei war. Und wir haben sogar eine Trauung die genau dann unterbrochen wird, wenn der Priester nach Einwänden fragt.
 
And resentment rides high but emotions won't grow
 
Inszeniert wurde dieses bisschen Handlung garniert mit Klischees von Andy Serkis. Serkis ist sicher ein großartiger Darsteller, … wenn er in einem Motion-Capture-Anzug steckt. Ernsthaft, der Mann war Gollum, King Kong, Snoke in zwei der neueren „Star Wars“-Filmen, er war Caesar in der neueren „Planet der Affen“-Trilogie und er war Kapitän Haddock in „Tim und Struppi“ und was für ein Tier war er noch in „Mogli: Legende des Dschungels“? Ist ja auch egal. Wenn Serkis keine computergenerierte Figuren darstellt, ist er ein passabler Schauspieler. Und bestenfalls passabel ist er auch als Regisseur.
 
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Serkis Inszenierung zeigt einfach keine echten Ideen. Dialogszenen wirken bei ihm immer künstlich und gestelzt. Actionszenen fallen immer genauso aus, wie man sie buchstäblich schon Hunderte Male gesehen hat. Ich könnte nun alle Filme aufzählen, an die mich der Endkampf dieses Films erinnert hat, aber unsere Serverkapazität ist irgendwo begrenzt.
 
Aber Serkis hat nicht bloß keine eigenen Ideen, er kann auch die schlechten Ideen anderer nicht erkennen. Ich habe irgendwann aufgehört zu zählen, wie oft in diesem Film Personen gerade zufällig an einem Fernsehgerät vorbeikommen, wenn dort in den Nachrichten für sie wichtige Informationen zu hören und zu sehen sind. Für so etwas ist zunächst einmal das faule, einfallslose Drehbuch verantwortlich. Aber es ist die Entscheidung des Regisseurs, solche Fehler nicht zu korrigieren.
 
Love, love will tear us apart again
 
Wie Serkis mit seinen Darsteller*innen gearbeitet hat oder ob überhaupt, ist schwer zu sagen. Sie alle haben oft genug ihre Kompetenz unter Beweis gestellt. In „Venom: Let There Be Carnage” wird keiner von ihnen gefordert. Tom Hardy muss wieder viel schwitzen und kleidet sich teilweise wie Eddie Murphy in „Beverly Hills Cop“. Warum, ist schwer zu sagen.
 
Michelle Williams ist seit „Brokeback Mountain“ bekannt und seit „My Week with Marilyn“ ein Star. Hier hat sie einige wenige Szenen als wandelndes Klischee, die jede andere Darstellerin in Hollywood wohl genauso gespielt hätte.
 
Naomie Harris war großartig in „28 Days Later“ und wenn die Macher der Bond-Filme nicht zu dumm dafür sind, geben sie ihrer „Moneypenny“ demnächst die Doppel-Null-Nummer und lassen Harris die Serie übernehmen. In „Venom: Let There Be Carnage“ spielt sie eine … pfh … keine Ahnung, … Mutantin? Tut mir leid, aber das Drehbuch nimmt sich nicht die Zeit zu erklären, was und wer ihre Figur ist, abgesehen davon, dass sie mit Woody Harrelson zusammen in einem Heim für schwererziehbare Jugendliche war als sie zwanzig Jahre alt war und er fünfunddreißig.
 
Woody Harrelson spielt eine Rolle, wie er sie bereits Dutzende Male gespielt hat und jedes Mal besser. Dieses Mal ist er ungefähr Zwanzig Jahre zu alt für die Rolle und trägt ein Toupet, das gar nicht schlecht sitzt, aber irgendwie trotzdem lächerlich aussieht ohne witzig zu sein und Harrelsons Alter sogar noch unterstreicht.
 
Fazit
 
Ein Film wie das Toupet von Woody Harrelson. Nicht ganz schlecht, aber doch so künstlich, generisch, und kein bisschen witzig, sodass man sich fragt, wozu das Ganze und warum hat man das alles nicht ganz anders gemacht?
 
 
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