*** The Suicide Squad ***

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*** The Suicide Squad ***


 
dfdh kritik
 
Autor: Christopher Diekhaus
 
Auf die kreative Bankrotterklärung folgt eine gelungene Neuausrichtung: Nach David Ayers verunglücktem DC-Antihelden-Gekloppe „Suicide Squad“ aus dem Jahr 2016 durfte sich James Gunn an einer Auffrischung versuchen, die laut Warner Bros. weder Sequel noch Reboot ist.
 
Knackiger Auftakt
 
An den Kinokassen spielte der Actionblockbuster „Suicide Squad“, der dritte Film der DC-Leinwandreihe, etwas mehr als das Vierfache seiner Herstellungskosten ein und schrieb damit zufriedenstellende Zahlen. Bei den Kritikern fand der von David Ayer („Bright“) geschriebene und inszenierte Streifen hingegen wenig Gnade. Zu Recht bemängelten viele Rezensenten das Zusammenspiel von Story und Figuren und prangerten vor allem den lächerlichen Showdown an.
 
2016 war der erste echte Rohrkrepierer im Kosmos der DC-Comicadaptionen geboren. Das schwache Ergebnis wurmte offenbar auch die Studioverantwortlichen. Warum sonst gaben sie James Gunn nach seinem vorübergehenden Rausschmiss bei Marvel, der mit geschmacklosen älteren Tweets des Regisseurs und Drehbuchautors zusammenhing, freie Hand in der Gestaltung eines neuen Films über die titelgebende Antiheldentruppe.
 
 
Auch wenn in „The Sucide Squad“ einige bekannte Gesichter zu sehen sind, schlägt Gunns Arbeit bewusst keinen Bogen zum vorherigen Kapitel. Sein Film soll losgelöst betrachtet werden und das erzeugen, was beim ersten Versuch nicht gelungen war: einen furiosen, mit ungewöhnlichen Einfällen vollgestopften Ritt hinzulegen.
 
Dass die Vorzeichen dieses Mal besser stehen, deutet sich schon in der ersten halben Stunde an, die randgefüllt ist mit produktivem Irrwitz und unerwarteten Richtungswechseln. Um den Spaß nicht zunichtezumachen, sei an dieser Stelle über den Inhalt nur so viel verraten: Die schon in „Suicide Squad“ mit knallharter Attitüde auftretende Regierungsbeamtin Amanda Waller (wie gemacht für diese Rolle: Viola Davis) zwingt einige Insassen des berüchtigten Belle-Reve-Gefängnisses dazu, einer ominösen Spezialeinheit beizutreten und an einer strenggeheimen Mission teilzunehmen.
 
Ziel der sogenannten Task Force X ist es, die vor der südamerikanischen Küste liegende Insel Corto Maltese zu infiltrieren, auf der das Militär die Macht übernommen hat, und alle Spuren eines hochgefährlichen Forschungsprojektes zu vernichten. Der Auftrag lässt den nur widerwillig in die Rolle des Anführers geschlüpften Söldner Bloodsport (Idris Elba) und seine Mitstreiter allerdings rasch erkennen, dass sie sich auf ein Himmelfahrtskommando eingelassen haben.
 
Blutiger als alle Marvel-Filme
 
Die kreative Energie des Anfangsdrittels, die sich unter anderem in einer herrlich aus dem Ruder laufenden Wiedersehensszene zwischen Bloodsport und seiner Tochter Tyla (Storm Reid) manifestiert, schlägt im Grunde alles, was man bisher in der inoffiziell als DC Extended Universe bezeichneten Reihe aus dem Hause Warner Bros. gesehen hat.
 
01 ©2021 Warner Bros Pictures02 ©2021 Warner Bros Pictures03 ©2021 Warner Bros Pictures04 ©2021 Warner Bros Pictures
 
James Gunn, der für die Marvel-Konkurrenz das ungemein launige Space-Abenteuer „Guardians of the Galaxy“ und dessen Fortsetzung drehen durfte, führt den Zuschauer gekonnt aufs Glatteis und schafft es, die aus seinen Frühwerken „Slither – Voll auf den Schleim gegangen“ und „Super – Shut Up, Crime!“ bekannte rüde Gangart in einen Multimillionen-Franchise-Beitrag zu transportieren. Zerfetzte Körper und Blutfontänen ergießen sich bereits während der Invasion von Corto Maltese über das Publikum, das derartige Splatter-Einlagen aus dem vergleichsweise klinisch sauberen Marvel Cinematic Universe nicht gewohnt ist.
 
Gunns Experimentierfreudigkeit zeigt sich auch in wilden tonalen Schwankungen und im Mix ganz unterschiedlicher Genreversatzstücke, die er immer wieder bricht und abwandelt. Der Plot scheint einem tumben Actionfilm der 1980er Jahre entnommen, bietet aber mehrfach Gelegenheit, den US-amerikanischen Imperialismus sarkastisch zu kommentieren.
 
Alles, was nicht auf Anhieb als Freund erkennbar ist, wird rücksichtslos niedergemäht. Dass eine solche Einstellung auch nach hinten losgehen kann, zeigt der Angriff auf ein einheimisches Camp, bei dem sich die ständig in Schwanzvergleiche verwickelten Bloodsport und Peacemaker (John Cena) als besonders schießwütige Trampeltiere hervortun.
 
Alte und neue Gesichter
 
Einiges an Raum gewährt „The Suicide Squad“ Rückkehrerin Harley Quinn, die von Margot Robbie einmal mehr mit ansteckender Überdrehtheit gespielt wird. Kenner ihres Solofilms „Birds of Prey: The Emancipation of Harley Quinn“ dürften allerdings nicht verblüfft sein, wohin sich manche ihrer Szenen entwickeln.
 
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Kleine amüsante Momente beschert das vom Regisseur verfasste Drehbuch auch den Neuzugängen Ratcatcher 2 (Daniela Melchior), die - der Name deutet es an - binnen kurzer Zeit Unmengen an Ratten zusammenrufen kann, und Polka-Dot Man (wie so oft in einem Psychopart besetzt: David Dastmalchian), einem Norman-Bates-Verschnitt, der in diversen Personen seine übergriffige Mutter zu sehen glaubt und tödliche bunte Punkte verschießt.
 
Nicht ganz so lustig wie beabsichtigt ist derweil der Auftritt King Sharks, dem in der Originalversion Sylvester Stallone seine Stimme leiht. Der humanoide Hai verkommt zu einem dauerhungrigen Sidekick ohne nennenswerten Einfluss auf die Handlung. Lässt es sich verschmerzen, dass der Ideenreichtum im Mittelteil etwas abnimmt, muss man zumindest zwei Dinge kritisch anmerken.
 
Erstens verfährt „The Suicide Squad“ im Fall der aus Corto Maltese stammenden Rebellenanführerin Sol (Alice Braga) bei allem Bemühen um das Unterlaufen von Konventionen dann doch so, wie es ein schlichter Actionstreifen aus den 1980er Jahren tun würde. Nach ihrem Auftauchen verschwindet sie eine ganze Weile von der Bildfläche, nur im Finale noch einmal kurz „Hallo“ zu sagen. Außerdem wirkt es kontraproduktiv, dass Gunn gegen Ende ein paar Szenen mit klassischem Heldenpathos auflädt.
 
Unter dem Strich überwiegen aber klar die Vorzüge dieser wilden, auch musikalisch schwungvoll unterlegten Achterbahnfahrt, die selbst die abstrusesten Wendungen - Stichwort: Seestern - halbwegs unterhaltsam verkaufen kann.
 
Fazit
 
Kurz und knapp: Die deftig-rasante Neuausrichtung der Selbstmordtruppe erstickt Langeweile im Keim und lässt die DC-Reihe nach dem allenfalls mittelprächtigen „Wonder Woman 1984“ wieder ein bisschen besser dastehen.
 
 
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