*** Wunderschön ***

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dfdh kritik
 
Autor: Peter Osteried
 
Schon im Dezember 2020 hätte Karoline Herfurths dritte Regiearbeit in die Kinos kommen sollen. Dann kam die nächste Corona-Welle, das Land versank im Lockdown und WUNDERSCHÖN wurde verschoben. Bei einer Verschiebung blieb es nicht, jetzt ist der Kinostart aber gesetzt. Das Publikum erwartet ein sympathischer, ein wenig zu langer Film mit einem starken Ensemble.
 
Das Idealbild
 
Niemals zuvor war die Welt der Kunst, aber auch der Werbung und der alles bestimmenden sozialen Medien so exakt darin, dem Publikum ein Idealbild vorzuleben. Die ständige Optimierung der eigenen Person hin zum perfekten Körper steht im Vordergrund und belastet alle. Da wäre Frauke (Martina Gedeck), die kurz vor der 60 ist und sich von ihrem Mann nicht mehr begehrt fühlt. Oder Julie (Emilia Schüle), die als Model endlich den Durchbruch schaffen will und dafür bereit ist, ihren Körper noch mehr dem gewünschten Ideal der Branche anzupassen.
 
Oder Sonja (Karoline Herfurth), die nach zwei Schwangerschaften ihren Körper von früher zurückwill. Oder sich zumindest wieder sexy fühlen will. Und mehr als nur Hausfrau und Mutter sein will. Ihre Freundin Vicky (Nora Tschirner) wiederum ist nur an bedingungslosem Sex interessiert. An die große Liebe, geschweige denn funktionierende Beziehungen glaubt sie nicht. Ihre Schülerin Leyla (Dilara Aylin Ziem) hat ein paar Pfunde zu viel auf dem Leib und fühlt sich vom Leben und von ihren Schülern ausgegrenzt, bis sie eine Sportart findet, die ihr echtes Selbstwertgefühl beschert.

 
Sie alle sind an einem Scheideweg ihres Lebens. Alles verändert sich, und man muss aufpassen, sich dabei nicht selbst zu verlieren.
 
Jetzt mit kurzen Haaren
 
In einer Szene schert sich Emilia Schüle die Haare ganz kurz. Mit dem Look fiel sie nach den Dreharbeiten auch in der deutschen Presse auf. Das ist lange her und gibt ein Gefühl dafür, wie lange WUNDERSCHÖN eigentlich schon auf Halde lag. Alle Beteiligten haben seitdem jede Menge anderer Produktionen unter Dach und Fach gebracht.
 
WUNDERSCHÖN ist im besten Sinne ein Ensemble-Stück. Dabei ist schön gelöst, wie die Geschichten zuerst gänzlich unabhängig voneinander stattfinden, dann aber immer mehr miteinander verzahnt werden. Es ist wie im echten Leben: Man erblickt das eigene Leben und das der Freunde und Bekannten im eigenen Umfeld. Und dann ist da das Leben, das direkt außerhalb dieser Zone stattfindet und nur zu häufig spiegelt, was man selbst gerade erlebt.
 
01 ©2022 Warner Bros Pictures02 ©2022 Warner Bros Pictures03 ©2022 Warner Bros Pictures04 ©2022 Warner Bros Pictures
 
Das Selbstbildnis
 
In einer Szene fordert Lehrerin Vicky ihre Schüler auf, zu zeichnen, was ihnen an ihnen selbst am besten und was am wenigsten gefällt. Alle konzentrieren sich nur auf Äußerlichkeiten, auf das Gesicht, die Augen, den Körper, das, was man als schön ansehen kann. Dann fragt sie ihre Schüler, wieso niemand etwas gezeichnet hat, das nichts mit dem Körper zu tun hat. Ein Moment der Stille folgt. Es ist der vielleicht stärkste Moment dieses Films, weil er mit der Erkenntnis aufwartet, dass unser aller Blick zu sehr auf Äußerlichkeiten geschult ist.
 
Aber jeder ist mehr als nur sein Gesicht oder sein Körper. Der Film ist hier cleverer, als er das in den meisten anderen Szenen ist. Denn mehrheitlich konzentriert er sich auf Binsenweisheiten. Die sind zwar schön zu sehen und zu hören, aber kaum eindringliche Gedanken. Überhaupt bewegt sich der Film mit seinen Geschichten auf bekanntem Terrain. Praktisch keine Geschichte dieser fünf Frauen endet anders, als man das erwarten würde. Ein klein wenig Mut zur Kühnheit hätte WUNDERSCHÖN aber gutgetan.
 
Stattdessen ist er auch noch überlang geraten. Mit mehr als zwei Stunden Laufzeit verfällt er immer wieder in Repetition. Weniger wäre hier mehr gewesen. Man hätte die Geschichte klar verdichten können, ohne irgendetwas zu verlieren. So gestaltet sich WUNDERSCHÖN jedoch als zu glatter, zu unaufgeregter Film, der am Ende allen gefallen und niemandem wehtun will – am wenigsten sich selbst.
 
05 ©2022 Warner Bros Pictures06 ©2022 Warner Bros Pictures07 ©2022 Warner Bros Pictures08 ©2022 Warner Bros Pictures
 
Fazit
 
Wie immer bei Karoline Herfurths Filmen ist die Musikauswahl bemerkenswert. Sie hat ein gutes Händchen dafür, welche Songs die Stimmung genau einfangen. Hier setzt sie vor allem auf ein paar Songs aus DIRTY DANCING, die im Umfeld der Geschichte ganz gut funktionieren. WUNDERSCHÖN ist ein netter Film, er hätte aber mehr als das sein können. Seichte Unterhaltung, der ein wenig echter Tiefgang gutgetan hätte.
 
 
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